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Kulturtasche

 

Interviews mit Kindern und Erwachsenen (aus der Generation der Großeltern) zum Thema Alte Zeiten.

Trixie (8)

Was stellst du dir unter "Alten Zeiten" vor?

Die Zeit mit Römern. Vor 100 Jahren. Ohne Strom. Mit Pferden. Mamas mussten viel arbeiten. Die Jungen durften in die Schule gehen und Mädchen mussten zu Hause bleiben und der Mama helfen beim Wäschewaschen und sowas. Sie haben's am Fluss gemacht.

Hättest du damals gerne gelebt?

Nein. Weil das einfach zu gefährlich auch mit Krieg wär.

Hast du eine Lieblingszeit?

Meine Lieblingszeit ist jetzt.

Wenn du mit einer Zeitmaschine reisen könntest: In welche Zeit
würdest du gerne reisen und warum?

Zu Pippi Langstrumpf. Weil ich sie fragen würde, ob sie auch ein Haus hochheben kann. Und weil sie Gold hat und sicher auch was abgeben würde.

Was findest du an der Zeit, in der wir leben gut, was schlecht?

Gut finde ich, dass es viel mehr in Deutschland gibt als früher. Und dass man sich mehr leisten kann. Klamotten. Früher hat mein Papa nur in Paketen was gekriegt. Einen eigenen Fernseher fände ich gut.
Schlecht finde ich, dass es noch Atomkraftwerke gibt.

Wie stellst du dir die Zukunft in zwei- bis dreihundert Jahren vor?

Dass es dann neue Erfindungen gibt. Dass man die meisten Sachen alle mit Maschinen machen kann, ganz automatisch. Dass an den Bäumen Brötchen wachsen. Vielleicht werden die Menschen dann 1000 Jahre alt. Dass die Topmodels in der Werbung alle nackich sind. Dass es manche Früchte nicht mehr gibt, vielleicht Apfelsinen.

Franz-Josef (53)

Wie war Ihre Kindheit?

Ich war Ende der 50er bis Ende der 60er Jahre jung. Ich erinnere mich an Kühe und ein unglaublich stinkendes Plumpsklo. Das hat mich irrsinnig fasziniert. Es gab noch sehr viele alte Leute. Verschrobene Gesichter, die man heute gar nicht mehr findet. Es gab noch Gestalten aus dem Krieg, die auch viel vom Krieg erzählt haben. Und es war alles noch ein wenig streng.

Was war anders als heute?

Als ich Kind war, gab es fast gar keine Autos. Wir haben unglaublich viel ums Haus herum gespielt. Die ganzen Straßen waren ein einziger Spielplatz. Das sehe ich heute zum Glück immer noch. Es gab wahnsinnig viel Blumen und es tut mir weh, dass es sie nicht mehr gibt. Statt Blumen stehen jetzt Häuser da. Zum Beispiel bin ich als Kind immer große Blumensträuße sammeln gegangen. Das sehe ich heute nicht mehr. Entweder haben die Kinder heute kein Interesse mehr daran oder es gibt es keine Blumen mehr. Vielleicht hängt auch beides miteinander zusammen.

Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?

Einfach nur furchtbar.

Herr Lehmann (65)

Wie war Ihre Kindheit?

Ich war in den 50er Jahren jung. Es war ruhiger als jetzt, alles war geordnet. Es herrschte der Geist der Nazi-Zeit und es machte nicht jeder, was er wollte. Man konnte zum Beispiel nicht sagen: "Ich habe kein Bock". Es herrschte Ordnung und das Leben war vorgezeichnet. Man lernte zum Beispiel einen Beruf für's Leben. Die jungen Leute, die eine Lehre machten, die gingen davon aus, dass sie diese auch bis zum Lebensende verwenden können.

Was ist heute anders?

Ich denke, den Kindern heute werden zu wenig Grenzen gesetzt.

Aber die heutige Zeit ist schon gut. Ich denke nur an die Krankenversorgung heutzutage. Damals konnte man noch an Sachen sterben, die heute kein Problem mehr sind.

Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?

Das kann ich nicht.

Dietrich (72 Jahre)

Wie war die Zeit in Ihrer Kindheit?

Während des Krieges war ich viel mit der Eisenbahn zu oft weitläufiger Verwandtschaft unterwegs. Im Krieg war es wichtig, die Familienbande zu stärken. Man wusste nie, was kommt und von wem man womöglich bald Hilfe brauchen würde. In den ersten Jahren zogen wir häufiger im Elsaß um, wo mein Vater bei der Sanitätstruppe stationiert war. Abends war oft Fliegeralarm. Wir waren dann im Bomben-Tiefkeller, der feucht, stickig war und wo viele fremde Leute waren. Wir mussten die Kleider immer schön geordnet hinlegen, um wegen des Fliegeralarms in einer Minute angezogen zu sein.
Dann habe ich noch einzelne Bilder im Kopf. Zum Beispiel von indischen Kriegsgefangenen, die auf Holzgaser-LKWs hin und her gefahren wurden. Oder von einer Feuersbrunst der Brauerei in Mutzig bei Nacht oder das Erlebnis, eine Ratte im Bett gehabt zu haben. Außerdem erinnere ich mich, nachts geweckt worden zu sein, um den nächtlichen Feuerschein am Himmel als "Lichtspiele" zu bestaunen (es war der Bombenangriff über 100 km weit weg auf Heilbronn) oder an das Bild, bei der Heimfahrt nach Württemberg mit Mercedes-LKW, der kriegswichtige Ersatzteile transportierte, zu fahren. Mehrere Tieflieger-Angriffe (ich war schon vorher trainiert worden, mich in einen Graben zu legen), dann Fahrt durch das brennende Karlsruhe mit hochgebogenen, glühenden Straßenbahnschienen und der Explosion eines Gaskessels ...
In der Nachkriegszeit hatte ich dann Angst vor dem Einmarsch der Franzosen in die heimatliche Kleinstadt, Angst vor der Besatzung, vor den Marokkanern. Wir wohnten in einer einsamen Häuserzeile vor der Stadt. Die Mütter bewaffneten sich deshalb mit Waschzubern im Schlafzimmer und Stöcken zum darauf Krachmachen.
Im Herbst schlugen wir im Wald das Holz ((die Eltern und Nachbarn nur mit Axt und Zweihand-Säge ausgerüstet) und zogen es mit dem Hand-Leiterwangen nach Hause. Am Seil des Lotters wurde eine von irgenwoher beschaffte Glocke zum Sturm-Läuten befestigt.

Als Einquartierung bekamen wir zwei junge Soldaten aus Lothringen, denen mussten wir vorführen, wie man unseren Trockenabort benutzt, da sie dachten, dass man auf die Clo-Brille stehen müsste.
Die Soldaten brachten sich von den Bauern immer etwas zum Essen mit. Meine Mutter musste es dann für sie kochen. Am Interessantesten waren immer lebende Hühner. Nachdem ihnen auf unserem Holzhackstotzen der Kopf abgeschlagen worden war, flatterten sie noch eine Weile kopflos durch den Garten.

Die ersten Jahre nach dem Krieg erinnere ich als "Hungerjahre". Es gab ein Kommisbrot mit Einschnitten, die die spärliche Tagesration anzeigten. Es wurden die Möbel beschlagnahmt, das Besteck, die Bilder unter anderem von der Besatzungsmacht. Insgesamt waren wir unterernährt, man hatte schlecht heilende Schürfwunden, war fast nur barfuß unterwegs. Die Straßen war meist noch unbefestigt, Hauptstraßen spritzte man mit Teer aus einem schwarz verklebten Wagen mit von unten befeuerten Blechkesseln. Das hat merkwürdig gestunken. Auf den aufgesprühten Teer warfen die Arbeiter zuerst kleine, spitze Steine, dann fuhr eine riesige Straßenwalze darüber, die noch mit Dampf betrieben wurde. Tagelang lagen noch zu viele Steine, die beim Barfuß-Gehen ziemlich pieksten. Später waren dann die Steine im Teer versackt und wenn die Sonne heiß drauf schien, klebte uns der ganze Teer an den Füßen und ging kaum mehr ab.
Winters trugen wir Schuhe mit Holzsohlen und hatten fürchterlich kratzende Hemdhosen an.
Hosen und Kittel schneiderte meine Mutter aus alten Anzügen, Taschentücher wurden aus ehemaligen Hakenkreuzfahnen genäht. Für Pullover und Strümpfe haben wir Kinder endlos alte Stricksachen aufgezogen und die Wolle neu aufgehaspelt; irgendwoher hatte man sich dazu die alten Gerätschaften zeitweise ausgeliehen.

Meine Eltern mussten als Nazi-Mitläufer Strafarbeiten machen, es gab Entnazifizierungsprozesse, durch die mein Vater seine Arbeit als Handelsschullehrer verlor. Bei meiner Einschulung waren wir mindestens 30 Mitschüler. Ende 1946 gab es dann nur noch Konfessionsschulen, in der protestantische und katholische Schüler voneinander getrennt unterrichtet wurden.

Die Mangelwirtschaft, durch die man hungerte und viele Dinge nicht hatte, reichte bis zur Währungsreform. Da wurden neue Geldscheine von der Bank deutscher Länder gedruckt.
1949 ging ich auf die Oberschule für Jungen ... dann kam das Wirtschaftswunder.

Wie war die Kindheit damals im Verlgeich zu heute? Was war schöner, was war schlechter?

Die Kindheit im Krieg war überlagert von einer immer währenden, aber unfassbaren Bedrohung durch die kriegerischen Ereignisse auch von den Fronten, an denen Verwandte kämpften, und ein Klima des Bedrohtseins durch irgendwelche "Anderen", die einen hätten denunzieren, also verpetzen können, das wurde schon den Kindern eingeimpft. Mit umgekehrten Vorzeichen ging das mit dem Einmarsch der Franzosen weiter bis ungefähr 1950.
Dagegen war meine Nachkriegs-Kindheit anschaulich. Außer der Tageszeitung gab es lange keine Medien. An den seltenen Telefonzellen stand zwar "Fasse dich kurz", aber man brauchte das alles nicht. Die Nachrichtenweitergabe über die Bevölkerung war viel intensiver als heute ("Wo gibt es was?"). Auch haben Erwachsene unter sich immer wieder über telepatische Nachrichten von den noch in Kriegsgefangenschaft befindlichen Männern berichtet.

Spielen auf der Straße war selbstverständlich, es gab ja kaum Autos. Dafür spielten wir mit Reifen, Kreisel und irgendwo aufgefundenen Sachen. Wer einen Garten hatte, schickte seine Kinder zum Sammeln der Rossbollen, die sich hinter Pferdefuhrwerken aufheben ließen; besonders Tomaten liebten diesen Dung. An Markttagen kamen viele Bauern in die Stadt, da konnte man unter freiem Himmel beim Schweinemarkt oder Großviehmarkt zusehen.

Als Kind hatte man vielfachen Zutritt zu den Beschäftigungen der Erwachsenen, weil das Handwerk teils auf der Straße noch gearbeitet hat. Selbst die Industrie war für Kinder meist zugänglich zum Arbeitsplatz des Vaters. Man konnte noch fast alles be-greifen!

1954 machte ich den ersten Schüleraustausch nach Frankreich. Die damaligen Emotionen nach der Zollabfertigung bei der Überfahrt über den Bodensee auf einer Schweizer Fähre begleiten mich noch heute. Ähnlich der Abitursausflug 1958 ins geteilte Berlin.

Gibt es eine Zeit, außer der heutigen, in der Sie gerne leben würden?

Wenn es hätte sein können, dann permanent wie in den Jahren 1970 - 1980, nie war unsere Gesellschaft offener, solidarischer und zufriedener.

Wie stellen Sie sich die Zukunft in zwei- bis dreihundert Jahren vor?

Der Kapitalismus wird nicht überleben, je früher die Menschheit sich friedlich zu Ressourcen schonendem Wirtschaften und solidarischer Verteilung durchringen kann, desto glücklicher wird die Zukunft.

Tom (11)

Wie stellst du dir die Alten Zeiten vor?

Nach dem Krieg war ja so ziemlich alles vernichtet, es gab hauptsächlich Trümmer und es gab fast nichts. Vor dem Krieg konnte man noch fast normal leben, Adolf Hitler hat allerdings die Leute unterdrückt. Aber nach dem Krieg gab es ja ziemlich viele Tote, besonders tote Männer. Es war nicht so leicht, besonders wenn einem das Haus zerstört war.

Würdest du gerne dort leben?

Nein, nicht in der Nachkriegszeit.

In welche Zeit würdest du gerne reisen?

Ich würde mal gerne in eine Zeit reisen, in der es alles noch nicht gibt: kein Internet und kein Licht und so. Wo man wirklich noch auf das angewiesen ist, was man selber machen konnte. Das ist so um Siebzehnhundert rum.

Wie findest du die heutige Zeit?

In der jetzigen Zeit ist gut, dass man viel mobiler ist und man viel besser verreisen kann. Damals gab es aber noch keine Atomkraft und ich glaube, das wäre besser. Man konnte noch viel verändern.

Wie stellst du dir die Zukunft vor?

Ich glaube es wird immer mehr auf dem Computer geben. In ein paar Generationen wird es auch in der Schule keine Blätter mehr geben, sondern viel mehr auf USB-Sticks und SD-Karten.

Ich würde lieber in die Zukunft reisen, weil das Leben wird immer leichter wird durch Computer und Technik. Alles wird ein bisschen kompakter.

Hannes (10 Jahre):

Wie stellst du dir die alten Zeiten vor?

Ich stelle mir einen Bauern vor und Ritter. Die Menschen lebten damals schlecht, weil ihnen die Ritter alles gemopst haben.

Würdest du damals gerne leben?

Nein, weil ich nicht gefoltert werden will und weil es gar nichts gab.

Würdest du mit einer Zeitmaschine gerne in eine andere Zeit reisen?

Ich würde gerne 14 Tage zurück reisen, weil ich dann wieder Geburtstag habe.

Was findest du an der Zeit heute gut, was schlecht?

Ich finde es gut, dass wir in einer Stad leben und alles kaufen können. Aber ich möchte auch nicht in der Stadt wohnen, weil ich da keinen Hund haben kann.

Wie stellst du dir die Welt in dreihundert Jahren vor?

Gar nicht, weil ich glaube, dass es die Welt in 300 Jahren gar nicht mehr gibt.

Mara (72 Jahre):

Wie war Ihre Kindheit?

Meine Kindheit war schön! Ich erinnere mich nicht so sehr an unsere Flucht von Lettland nach Deutschland, sondern mehr an das Leben in Lagern in Deuschland, in verschiedenen Etappen. Das Lager-Leben war nicht schlimm, weil alle Menschen um mich herum arm waren, nichts hatten, nichts beanspruchten. Wir lebten in einer Gemeinschaft, jeder Tag war anspruchslos, selbst-verständlich! Darüber hinaus "passierte" dort aber auch immer etwas. Gemein fand ich allerdings, dass wir als "Pollacken" beschimpft wurden, obgleich wir ein stark kulturelles Leben im Lager hatten. Wir spielten Theater, machten Musik rezitierten Dainas (Gedichte), und bei den Deutschen war nichts!

Was war damals schöner, was schlechter?

Im Alltag fand ich die Gemeinschaft schön und wenn etwas Neues passierte. Obgleich die unangenehme Pflicht, zunehmen zu müssen bei weiteren Tellern Haferschleim nicht sehr beliebt war. Was soll's!
Die Freiheit, im Lager umherlaufen zu dürfen, ohne Angst, war schön, Spiele am Bach, mit Steinen, mit allem, was da so herumlag, bedürfnislos, ungehindert, frei!
Als schlechter konnte ich nichts empfinden, weil der Vergleich nicht war, deshalb auch Zufriedenheit: Ich habe nicht die großen Sportplätze vermisst!
An meinem sechsten Geburtstag rollten jedoch Panzer, deren Metallkettenklang ich noch im Ohr habe, Männer mit Pistolen waren unterwegs. Aber ich fühlte mich dennoch nicht so schrecklich in meinem gewohnten Umfeld ...
Schlimm war dann, als ich 11 Jahre war, und wir wieder auswandern mussten, weg vom "heimatlichen" Lager, (den Begriff "Vertriebene" gab es für mich übrigens nicht)

Gibt es ein Ereignis in Ihrer Kindheit, an das Sie sich besonders erinnern?

Ich erinnere mich an die Bombardierung Dresdens, wo ich als Achtjährige gelebt habe. Damals hatte meine Mutter auch Typhus. Ich musste dann plötzlich zu fremden Leuten ... Eines Tages wurde ich mit anderen auf einem Lastwagen in den Wald gefahren, und plötzlich stand die Mutter da ...
In den Baracken von Augustdorf machten nachts Kanadier, die über den Korea Krieg hier hergeschickt worden waren, mit ihren Gewehren Terror. Das war sehr, sehr beängstigend!

Gibt es eine Zeit außer der heutigen, in der Sie gerne leben würden?

Ich würde gerne in Lettland leben, in einer Zeit ungestörten Kulturlebens und einer Gemeinschaft, was beides in Lettland sehr reich war und ist !

Wie stellen Sie sich die Zukunft in zwei- bis dreihundert Jahren vor?

Die Größenordnungen der Technik sind unmöglich vorhersehbar und folglich die ganzen Konsequenzen auch nicht! Politisch wie gesellschaftlich sind wir so im Wandel, dass ich wirklich nicht weiß, was da sein wird.

Marlene (71)

Wie war Ihre Kindheit?

Der Krieg war zu Ende als ich 5 Jahre alt war. Ich kann mich zwar an den Krieg erinnern, aber so doll auch nicht. Wir kamen aus Duisburg und sind nach Genthin evakuiert worden.

Gibt es ein Ereignis, an das Sie sich besonders erinnern?

Ich fand es schon schön,wo wir gewohnt haben, das Wasser und die Landschaft. Daran kann ich mich erinnern. Da war auch viel Schlamm. Da war so ein größerer Bach und ein Ablauf. Und da gab es auch tolle Blumen. Und wir Kinder haben uns eingeschmiert, das war schon schön.

Aber es gab auch schäbige Zeiten, wo die Russen dann kamen, und wie grob die waren. Ich war damals vielleicht 4 oder 5. Meine Oma und meine Schwester haben sich im Kleiderschrank versteckt, denen haben sie nichts getan, aber meiner Mutter. Ich hab dann natürlich geschrien und dann wollten sie mich verprügeln als Kleinkind. Meine Mutter hat sich später dann auch mit uns versteckt. In der Nachbarschaft wohnten auch andere Leute, die hatten eine Mauer, dahinter konnten wir uns dann verstecken. Die hatten eine Leiter und die haben sie nachts weggetan und die Mutter hat gesagt, wir sollen leise sein. Das sind schon Sachen, an die ich mich ganz stark erinnere. Aber sonst kann ich mich über meine Kindheit nicht beschweren. Das waren schon auch schöne Zeiten.

Was war damals anders als heute?

Ich würde schon sagen, es war komplett anders. Wir konnten ja auch viel besser spielen als die Kinder heute. Wir wohnten auf dem Dorf und waren eigentlich immer draußen. Da war es schon schön zum Spielen. Mein Enkelchen wohnt jetzt mit seinen Eltern in einem Häuschen und spielt schon draußen. Aber das ist nicht zu vergleichen mit uns früher. Ich würde sagen, bei uns war es schon schöner. Wir haben ja kaum eine Puppe gehabt oder so. Die haben heute ja so viel Spielzeug, die wissen gar nicht mehr, womit sie spielen sollen.

Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?

Da habe ich kein Bild vor Augen. Ich denke, das Wasser wird vielleicht knapp.

Hotte (61)

Wie war Ihre Kindheit?

Ich bin in Berlin-Kreuzberg in der Wrangelstraße geboren, aber meine Kindheit habe ich im Heim verbracht. Meine Eltern haben mich weggegeben, weil ich Diphtherie hatte mit Halsröhrenschnitt. Meine Eltern dachten, ich kann nicht mehr Sprechen, aber ich kann ja Sprechen, ich kann Lesen und Schreiben und alles.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit?

Da war damals nichts Schönes dabei. Die Erzieher, die uns betreut haben, die waren brutal und haben uns misshandelt. Die sind nachts manchmal mit ihren Pistolen rumgelaufen und haben uns Heimkinder fertig gemacht. Die haben uns nicht so behandelt, wie Kinder zuhause behandelt werden.

Geht es den Kindern heute besser?

Ich glaube, dass heute Kinder im Heim genauso misshandelt und nicht akzeptiert werden. Ich kenne Kinder, die heute im Heim leben, die haben es verdammt schwer.

Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?

Ich glaube nicht, dass ich eine Zukunft habe. Ich werde so lange leben, wie ich kann. Krank bin ich sowieso schon, aber ich sage: es gibt keine Zukunft. Die Welt wird immer schlimmer. Die Jugendlichen haben nichts in der Schule gelernt, nicht Lesen, nicht Rechnen, denn die haben alle einen Computer und es wird immer enger.

Jule (12):

Was stellst du dir unter "Früher" vor?

Es kommt darauf an, was man unter Früher versteht. Im 18. Jahrhundert war es ja zum Beispiel ganz anders als in der Antike.

Hast du eine Lieblingszeit?

Meine Lieblings-Zeit ist die Barock-Zeit, weil es da so prächtig war. Die reichen Frauen hatten Reifröcke an, es gab prächtige Gebäude und Gemälde. Außerdem gab es damals noch keine Autos und Flugzeuge und man hatte noch nicht so vieles entdeckt und noch nicht für alles wissenschaftliche Erklärungen. Dadurch war beispielsweise ein Regenbogen noch etwas Zauberhaftes. Heute sagt man, ein Regenbogen entsteht deshalb, weil das Sonnelicht durch die Regentropfen gebrochen wird.

Wenn du mit einer Zeitmaschine reisen könntest: In welche Zeit würdest du gerne reisen und warum?

Ich weiß ja nicht genau, wie es in den unterschiedlichen Zeiten war. Es gibt ja in jeder Zeit Vor- und Nachteile. Mit einer Zeitmaschine würde ich zwar gerne in jede Zeit reisen, aber lange dort bleiben möchte ich nicht. Auf die Dauer wird es in den anderen Zeiten sicher langweilig.

Was findest du an der Zeit, in der wir leben gut?

Ich finde gut, dass es keine Sklaven mehr gibt und fast alle dir gleichen Rechte haben ... Obwohl in vielen Ländern beispielsweise in Asien oder Afrika kann man das nicht gerade sagen.

Wie stellst du dir die Zukunft in zwei- bis dreihundert Jahren vor?

Das kommt darauf an, wie sich alles entwickelt. Vielleicht gibt es die Menschen dann gar nicht mehr. Oder es wird alles wieder so, wie in einer früheren Zeit, weil sich die Menschen zurück entwickelt haben. Oder es ist ungefähr so wie jetzt, nur mit mehr Technik und weniger Natur und mehr Umweltverschmutzung.

Lea (12 Jahre)

Wie stellst du dir die alten Zeiten vor?

Draußen ist es dunkler und die Leute tragen komische Sachen. Wie in schwarz-weiß Filmen. Wie sie gelebt haben, hängt davon ab, ob sie reich oder arm waren. Die Reichen hatten protzige Autos und viel zu viele Sachen, zum Beispiel Klamotten. Die Armen hatten Häuser, die fast auseinander fielen, und sie hatten wenig zu essen.

Würdest du damals gerne gelebt haben?

Nein, eigentlich nicht. Ich will weder zu den Reichen noch zu den Armen von damals gehören.

Hast du eine Lieblingszeit?

Die Hippiezeit, die finde ich cool. Weil die alle so witzige Anziehsachen anhatten.

Würdest du mit einer Zeitmaschine gerne in eine andere Zeit reisen?

Ich würde gerne in die Barockzeit reisen. Weil sie da so schöne Kleider und so tolle Bälle hatten. Die waren allerdings etwas unhygienisch und hatten Perücken voller Läuse.

Was findest du an der Zeit heute gut, was schlecht?

Gut finde ich, dass es Schulen gibt, früher konnten nicht so viele zur Schule gehen.
Doof finde ich die Umweltverschmutzung und die doofen Viren, die plötzlich auftauchen. Und schlecht finde ich, dass so viele Tiere ermordet werden.

Wie stellst du dir die Zukunft in zwei-, bis dreihundert Jahren vor?

Die Menschen machen dann gar nichts mehr, weil alles von Maschinen gemacht wird. Die Menschen sitzen nur noch rum und schlafen oder essen, weil sie zu faul sind.

Vincent (10)

Was stellst du dir unter Alten Zeiten vor?

Als meine Eltern so alt waren wie ich. Die hatten damals noch keine Computer, keine iPhones und weniger Technik.

Würdest du dort gerne leben?

Ich weiß nicht so genau, wie es damals war, deshalb kann ich das nicht sagen.

Wohin würdest du mit einer Zeitmaschine reisen?

Ich würde in die Zeit der Dinosaurier reisen, weil ich mag Dinosaurier. Ich möchte vielleicht mal Paläontologe werden.

Wie findest du die heutige Zeit?

Ich finde es nicht gut, dass so viel CO2 verbraucht wird, man holzt auch sehr viel Urwald ab. Die Umweltverschmutzung mag ich gar nicht. Früher war das nicht so intensiv. Heutzutage kann man dafür mehr Krankheiten heilen und es sind nicht mehr so viele obdachlos.

Wie stellst du dir die Zukunft vor?

Ich stelle mir vor, dass hier überall fliegende Autos rumfliegen, dass alles voller Maschinen ist und so, wie im Film.

Malte (11 Jahre)

Was stellst du dir unter "Früher" vor?

Da kann man jetzt 'ne Menge hinschreiben. Ich denke meistens an das Mittelalter, weil als ich klein war, hab' ich mich für das Mittelalter interessiert.
Viele Menschen waren nicht reich, nur die Adeligen hatten die Herrschaft und unterdrückten die Leute.

Hast du eine Lieblingszeit?

Meine Lieblingszeit ist heute, weil vielleicht wäre ich ja ein armer Mensch im Mittelalter und ich wollte nicht unterdrückt werden.

Würdest du mit einer Zeitmaschine gerne in eine andere Zeit reisen?

Ein paar Wochen zrück, weil ich da bei meiner Oma war.

Was findest du an unserer Zeit gut, was schlecht?

Ich finde es gut, dass unsere Zeit so fortgeschritten ist und dass in unsrem Land das Essen nicht knapp ist.
Ich finde schlecht, dass es noch keine Entscheidung gibt, was jetzt mit dem Klima passiert.

Wie stellst du dir die Welt in zwei-, dreihundert Jahren vor?

Alles ist silber wie in LTB 407.

Marie (12)

Was stellst du dir unter Alten Zeiten vor?

Unter alten Zeiten stelle ich mir das Mittelalter vor. Die Leute lebten in Städten oder Siedlungen und alles war sehr einfach. Die hatten Häuser aus Stroh. Als Anziehsachen hatten sie bunte Gewänder und gegessen haben sie, was im Wald so lebt, Rehe zum Beispiel.

Würdest du dort gerne leben?

Manche Gesetze waren da schlimmer und es gab mehr Kriege als hier, aber ich stelle mir das mal ganz schön vor, dort zu leben.

In welche Zeit würdest du gerne reisen?

Ich würde vielleicht auch mal ganz gerne zu den Urmenschen gehen. Die haben in Höhlen gelebt, das finde ich ganz cool und Höhlenmalerei gefällt mir auch ganz gut.

Wie findest du die heutige Zeit?

Gut finde ich, dass die Häuser stabiler gebaut sind.

Wie stellst du dir die Zukunft vor?

Häuser, die alles selber machen. Die selber Essen machen, wie bei den Simpsons. Fliegende Staubsauger und so.

Sibylle (69 Jahre)

Wie war die Zeit, als Sie Kind waren?

Meine Kindheit lag in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Ich erinnere mich an Sirenengeheul, Tiefflieger, die Panik, mit der wir unser Haus verlassen mussten, Luftschutzbunker, nach Religionszugehörigkeit getrennte Schulen, Schulspeisungen, Lager in unserer Nähe, in denen heimatlose, unschuldige Kinder wohnten. Man spürte Feindschaften, hatte Angst vor Befehlen, Kommandos, vor Worten, die man nicht sagen sollte. Man durfte nicht weinen, um die Mutter zu schonen.
Unser Spielzeug waren später Dinge, die wir auf Wegen oder Feldern entdeckten und versteckten, damit sie uns niemand nehmen konnte.
Als 13jährige galten wir als "Halb-Starke", was ich beleidigend fand, weil der Ausdruck meine Kraft halbieren wollte. Dann waren meine Rock'n Roll-Schuhe eine große Errungenschaft, die Freude vieler Tage - man ging so leicht darin ...

Was war damals schöner, was schlechter?

Das ist schwer zu beantworten. Es war damals eine Intensität, die ich jetzt im Nachhinein erinnere, die ich gar nicht mit dem Adjektiv "schöner" oder "schlechter" belegen kann. Ohnehin lebt niemand gern im Krieg, wie ich, in Angst.
Ob jedoch die Kinder heute in ihrem tiefsten Inneren angstfreier, geborgener leben, bleibt für mich dennoch fragwürdig. Viel Essen, viel zu Haben birgt auch die Gefahr un-frei zu sein, unfrei im Immer-Mehr, Immer-Besser! Auch ist eine ähnliche Angst bei den Kindern unserer Zeit präsent vor Verlust, allein gelassen zu werden.
Dennoch leben unsere Kinder und Enkel momentan in einer Freiheit der Wahlmöglichkeiten, geistigen und materiellen Gutes. Das ist sicher ein schönerer Augenblick.

Gibt es ein Ereignis in Ihrer Kindheit, an das Sie sich besonders erinnern?

Ein besonderer Augenblick in meiner Kindheit war, den Vater die Kellertreppe in unserem Haus herauf kommen zu sehen, unmittelbar nach Kriegsende mit den Worten: "Ich bin dein Vater." Ich gab wohl barsch zur Antwort: "Das will ich nicht, es stimmt überhaupt nicht." Als ich ihn weinend sah, kam ich ins Nachdenken ...

In welcher Zeit würden Sie gerne leben?

Auch das ist schwer zu beantworten, wenn ich an die Mühsalen einer jeder Epoche denke.
Ich wäre gerne in einer Zeit, da noch eine Art archaische Familienstruktur herrschte. Ich meine damit, einen inneren Zusammenhalt nebst einem Bewusstsein für ein Ganzes, dem man angehört und gemeinsam verantwortet.

Wie stellen Sie sich die Zukunft in zweihundert Jahren vor?

Eine Welt mit Chip, Klipp und Trick, technisch, medizinisch Machbares bis zur Verzweiflung, im wahrsten Sinne des Wortes. Gefangen von Phänomenen, die sich selber erschaffen. Vielleicht auch wieder Ur-Wasser, Ur- Licht ... Ur-Stille!

Lilith (9)

Wie stellst du dir Früher vor?

Das kommt darauf an, von was oder wem man gerade spricht. Bei meiner Oma heißt "Früher" etwas anderes als das Mittelalter.

Wie stellst du dir das Mittelalter denn vor?

Dass die Frauen damals Reifröcke anhatten und die Männer Fräcke. Und dann stelle ich mir die Häuser so vergilbt und die Gehwege schmal vor. Und ich stelle mir vor, dass Mägde draußen herum gelaufen sind.

Würdest du gerne in dieser Zeit leben?

Nein, weil da die Männer viel mehr Rechte als die Frauen hatten, und weil da alles nicht so gut wie jetzt war. Da wurden auch Menschen verbrannt, nur weil die anders waren als andere.

Und würdest du gerne in einer anderen Zeit als heute und dem Mittelalter leben?

Eigentlich nicht. Aber kurz würde ich vielleicht schon hingehen. Aber eigentlich kenne ich die ganzen Zeiten gar nicht richtig. Aber ich würde gerne kurz in die Steinzeit gucken und in die Dinosaurierzeit, um zu gucken, ob es die wirklich gab.

Was gefällt dir denn an der Zeit heute?

Ich finde heute gut, dass jeder machen kann, was er will, und dass jeder die gleichen Rechte hat. Na ja, Frau Merkel und die Minister haben mehr Rechte, weil sie mehr bestimmen dürfen. Ich bin aber trotzdem froh, dass es heute keinen König mehr gibt.

Wie stellst du dir die Zukunft in zwei- bis dreihundert Jahren vor?

Dass alle nicht mehr in Häusern wohnen, sondern in irgendwelchen Luxusraketen, mit denen man überall hinfliegen kann.

Hans-Jürgen (59)

Wie war Ihre Kindheit?

Ich war in der Nachkriegszeit in Berlin-West jung. Deutschland war geteilt, besonders auch Berlin. Berlin-West war eine sehr graue, schmutzige und kalte Stadt, die durch eine Mauer begrenzt war mit einer Fläche von 25 Kilometer in die Breite und 50 Kilometer in die Länge. Man stieß früher oder später entweder auf eine Mauer oder auf einen Zaun.

An was erinnern Sie sich besonders?

Ich erinnere mich, dass man für 20 Pfennig permanent und tagelang mit der S-Bahn reisen konnte.

Was ist heute anders?

Der größte Unterschied ist, dass heute viel mehr finanzielle Mittel vorhanden sind. Heute werden fertige Produkte gekauft, während früher viel mehr improvisiert und gebastelt wurde. Wir haben damals Wettrennen mit selbst gebauten Modellautos gemacht, die mit Knetmasse beschwert waren. Wer vom Bordstein runter gefallen ist, hatte verloren.

Gibt es eine Zeit außer der heutigen, in der Sie gerne leben würden?

Absolut nicht. Ich will immer im Jetzt leben.

Wie sieht die Zukunft aus?

Ich habe die Vorstellung, dass wir auf dem Weg zu den Sternen sind. Und dass wir unsterblich werden.

Claudio (12)

Wie stellst du dir die Alten Zeiten vor?

Damals waren strengere Bedingungen zu leben und eine strengere Erziehung. Es war noch nicht so luxuriös wie heute und es gab noch nicht so tolle Sachen.

Würdest du dort gerne leben?

Nein.

Wohin würdest du mit einer Zeitmaschine reisen?

Am spannendsten finde ich das Mittelalter, das finde ich ganz faszinierend. Aber ich würde zuerst zu den Ureinwohnern in Südamerika reisen, zu den Indianern.

Wie findest du die heutige Zeit?

Ich finde die heutige Zeit ist gut, aber es gibt mehr Probleme mit Atomkraftwerken und so. Das finde ich nicht ganz so schön.

Wie stellst du dir die Zukunft vor?

Ich stelle mir vor, dass man auf jeden Fall raffiniertere Technologien hat und zum Beispiel Hologrammbilder. Und dass man weiter in den Weltraum vordringt.

                                                                                                                                                                                                                                         

 © Rossipotti No. 24, Juli 2011