Gudrun Pausewang

* 1928 in Wichstadtl, Böhmen (heute Tschechien)


Leben


  Gudrun Pausewang
© Landgraf, Ravensburger

Gudrun Pausewang wuchs mit fünf Geschwistern auf einem Bauernhof in Ostböhmen auf. Ihre Kindheit schilderte sie in der autobiographischen Trilogie Rosinkawiese, Fern von der Rosinkawiese und Geliebte Rosinkawiese als sehr glücklich. Der Vater hatte Landwirtschaft studiert und arbeitete als Landwirt. Die Mutter war ausgebildete Erzieherin für Kinder und Jugendliche. Gudrun Pausewangs Familie lebte sehr naturverbunden, sie bauten selbst Obst und Gemüse an und versuchten von dem zu leben, was sie ernten konnten. Weil sie unter anderem kein Fleisch aßen und nicht der Kirche angehörten, blieben sie auf dem Land aber Außenseiter.
Gudrun Pausewang besuchte die Grundschule in Wichstadtl und das Gymnasium in Mährisch-Schönberg. Schon als Kind bestand ihr halbes Leben aus Lesen. Sie verschlang alles, was der Bücherschrank ihrer Eltern hergab und bezeichnet sich selbst als „lesesüchtig“.
Gudrun Pausewangs Vater war vor und während des Zweiten Weltkriegs Anhänger der Nationalsozialisten. Als Mädchen glaubte sie auch selbst noch an die Ideen Adolf Hitlers. Dagegen schrieb sie als Erwachsene in verschiedenen Büchern gegen den Nationalsozialimus an.
Ihr Vater meldete sich später freiwillig als Soldat und starb im Krieg, als sie fünfzehn Jahre alt war.
Nach Kriegsende musste die Familie Böhmen verlassen, das mittlerweile zur Tschechoslowakei gehörte. Sie gingen erst nach Hamburg und dann nach Wiesbaden. Dort besuchte Gudrun Pausewang ab 1946 wieder ein Gymnasium.
Nach dem Abitur begann sie ein Studium am Pädagogischen Institut in Weilburg. Von 1951 bis 1955 arbeitete sie dort und in Wiesbaden als Grund- und Hauptschullehrerin.
Ein Jahr später nahm sie in Temuco (Chile) an der deutschen Auslandsschule eine Stelle als Lehrerin an. 1961 wechselte sie für zwei Jahre an die Schule in Maracaibo (Venezuela).
Das südamerikanische Leben faszinierte Gudrun Pausewang so sehr, dass sie unbedingt darüber schreiben wollte. In dieser Zeit entstanden ihre ersten Romane für Erwachsene wie Rio Amargo. Sie bereiste damals viele Länder Amerikas. Aus den Eindrücken und Erfahrungen, die sie auf diesen Reisen sammelte, entstanden später viele ihrer Bücher.
Als Pausewang 1963 nach Deutschland zurückkehrte, arbeitete sie einige Jahre als Lehrerin in Mainz. Gleichzeitig begann sie dort an der Universität ein Germanistikstudium. Danach ging sie noch einmal für vier Jahre nach Südamerika, dieses Mal nach Kolumbien und zusammen mit ihrem Mann. In dieser Zeit wird ihr gemeinsamer Sohn geboren, mit dem sie 1972 endgültig nach Deutschland zurückkehrt.
Bis zu ihrer Pensionierung arbeitete Gudrun Pausewang als Lehrerin in der hessischen Stadt Schlitz, die der Handlungsort in ihren Büchern Die letzten Kinder von Schewenborn und Die Wolke wurde und wo sie heute noch immer lebt.
Seit 1989 widmet sie sich ausschließlich dem Schreiben von Büchern, geht jedes Jahr auf Lesereise und lädt regelmäßig Schüler zu sich ein, um mit ihnen über die Welt und über Bücher zu reden.
Obwohl Gudrun Pausewang 1998 schon 70 Jahre alt war und längst pensioniert wurde, schrieb sie noch ihre Doktorarbeit an der Universität in Frankfurt am Main.

Werk und Bedeutung

Gudrun Pausewang gilt als eine der sozialkritischsten Autorinnen Deutschlands. Ihre Werke wurden über drei Millionen Mal verkauft, einige davon mehrfach ausgezeichnet und verfilmt.
In den ersten zehn Jahren als Schriftstellerin schrieb sie ausschließlich Bücher für Erwachsene. Sie handeln alle vom Leben in Südamerika, das die Autorin in vielen Jahren selbst kennengelernt hat.
In ihren Büchern für Kinder und Jugendliche schreibt sie sowohl über die Gegenwart als auch über Zeitgeschichte. Es geht darin häufig um verschiedene Probleme in Entwicklungs- und Schwellenländern, Nationalsozialismus, Rechtsradikalismus und Umweltzerstörung.
In Deutschland wurde Gudrun Pausewang durch die beiden Kinder- und Jugendbücher Die Wolke und Die letzten Kinder von Schewenborn sehr bekannt. Beide Bücher sind negative Utopien, die sich mit der atomaren Bedrohung auseinandersetzen.
In Die Wolke beschreibt Gudrun Pausewang die Erlebnisse eines Strahlenopfers nach dem atomaren Unfall in einem deutschen Kernkraftwerk. Den Hintergrund für diese Geschichte bildet der tatsächlich stattgefundene Reaktorunfall 1986 in Tschernobyl (Ukraine) an dessen Folgen viele Menschen starben oder sehr krank wurden. Auch die 14-jährige Janna-Berta verliert im Buch durch ein solches Unglück fast ihre ganze Familie. Sie muss nun mit vielen Problemen klar kommen und auch um das eigene Überleben kämpfen.
In Die letzten Kinder von Schewenborn denkt sich Pausewang ein ähnliches horrorhaftes Zukunftsszenario aus: Was wäre, wenn ein Atomkrieg ausbrechen würde? Pausewang beantwortet die Frage mit den Bildern von großer Zerstörung, vielen schwerkranken und dahinsiechenden Menschen. Einige Erwachsene reagieren in dieser Situation sehr egoistisch und gemein.
Mit diesen Büchern wollte Pausewang die Kinder und Jugendlichen allerdings nicht in erster Linie schockieren und verängstigen, sondern wachrütteln und zum Handeln auffordern. Tatsächlich spiegelten beide Bücher die Ängste vor atomarer Bedrohung, Umweltzerstörung und militärer Aufrüstung in den 1980er Jahren wieder und erreichten dadurch ein großes Publikum. Die letzten Kinder von Schewenborn war damals eines der am meisten diskutierten Jugendbücher.
Für Die Wolke bekam die Autorin 1988 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Dass der Roman 2006 verfilmt wurde, beweist, dass dieses Thema auch viele Jahre nach Erscheinen des Buchs sehr aktuell ist.
Außer den utopischen Romanen schrieb Pausewang auch realistische Geschichten, in denen sie meistens aus sozialkritischer Sicht Probleme in Südamerika schildert. Eines dieser Bücher heißt zum Beispiel Die Not der Familie Caldera. Familie Caldera lebt in einer südamerikanischen Großstadt. Nachdem Vater und Mutter ihre Arbeit verloren haben, muss die Familie ihr Haus verkaufen und in einer Blechhütte leben. Um Hunger und Armut zu entgehen, beginnen sie zu stehlen. Denn scheinbar nur durch Gewalt können sie das bekommen, was sie zum Leben brauchen.
Gudrun Pausewang hat neben diesen ernsten Büchern aber auch einige fantastische und heitere Kinderbücher geschrieben wie beispielsweise Der Spinatvampir oder die Räuber Grapsch-Reihe. Der Spinatvampir heißt Basil Grusel, lebt in Prag und ist eigentlich ein Anti-Vampir. Obwohl er Vampirzähne hat, hasst er Blut und Blutwurst und liebt stattdessen Spinat. So wird Basil von den anderen Vampiren natürlich nicht ernst genommen. Er hat es zunehmend schwer in der Vampirgemeinschaft und flüchtet nach Amerika. Dort wird er zwar mit neuen Problemen konfrontiert, doch diese kann er auf seine gutmütige Art lösen und freundet sich mit den Menschen an.
In den Räuber Grapsch-Büchern wird vom abenteuerlichen Leben eines Räubers und dessen Familie erzählt. Wie ein richtiger Räuber, lebt auch Grapsch im Wald in einer furchtbar stinkenden Höhle und kocht in einem großen Kessel über dem Feuer sein Essen. Erst als er eine Frau kennenlernt und sie bei ihm einzieht, kommt etwas Ordnung in sein Höhlenchaos. Aber egal ob Grapsch nachts in die Stadt geht, um Waschmittel und Zahnpasta zu rauben, oder ob er um die Welt reist, er gerät auf seinen Räubertouren immer in Schwierigkeiten.

Die meisten von Gudrun Pausewangs Büchern zeichnen sich durch eine klare, sachliche Sprache und eine deutliche politische Stellungnahme aus. Die Autorin will über Probleme unserer Zeit und über die der Vergangenheit aufklären. Darum berichtet sie auch ehrlich von ihren Erfahrungen während des Nationalsozialismus und über die Verstrickungen des eigenen Vaters in dieser Zeit.
In einem Interview sagte sie: „Ich will meinen Lesern, auch den jungen unter ihnen, keine heile Welt vorgaukeln, denn sie ist nicht heil.“ Gudrun Pausewang will „warnen vor Irrwegen und falschen Entscheidungen, die unsere Welt und unser Leben bedrohen könnten.“

Auszeichnungen

1977 Buxtehuder Bulle für Die Not der Familie Caldera
1981 La vache qui lit für Ich habe Hunger - ich habe Durst
1981 Preis der Leseratten für Ich habe Hunger - ich habe Durst
1983 La vache qui lit für Die letzten Kinder von Schewenborn
1983 Buxtehuder Bulle für Die letzten Kinder von Schewenbor
1984 Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Die letzten Kinder von Schewenborn
1988 Deutscher Science Fiction Preis für Die Wolke
1988 Deutscher Jugendliteraturpreis für Die Wolke
1988 Kurd-Laßwitz-Preis für Die Wolke
1998 George-Konell-Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für ihr Gesamtwerk
1999 Bundesverdienstkreuz
2009 Eduard-Bernhard-Preis des BUND Hessen für Die Wolke
2009 Großer Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. Volkach für ihr Gesamtwerk

Titelauswahl

Rio Amargo oder Das Ende des Weges / Pausewang, Gudrun (Text) - Deutsche Verlags-Anstalt 1959. Buchvorstellungen: (0)
Hinterm Haus der Wassermann / Pausewang, Gudrun (Text); Grüger, Johannes (Illu.) - Schwann Verlag 1972. Buchvorstellungen: (0)
Die Not der Familie Caldera / Pausewang, Gudrun (Text) - Otto-Maier-Verlag 1977. Buchvorstellungen: (0)
Rosinkawiese / Pausewang, Gudrun (Text) - Otto-Maier-Verlag 1980. Buchvorstellungen: (0)
Ich habe Hunger, ich habe Durst / Pausewang, Gudrun (Text) - Otto-Maier-Verlag 1981. Buchvorstellungen: (1)
Die letzten Kinder von Schewenborn / Pausewang, Gudrun (Text) - Otto-Maier-Verlag 1983. Buchvorstellungen: (0)
Wer hat Angst vor Räuber Grapsch? / Pausewang, Gudrun (Text); Rettich, Rolf (Illu.) - Otto-Maier-Verlag 1984. Buchvorstellungen: (0)
Ein wilder Winter für Räuber Grapsch / Pausewang, Gudrun (Text); Rettich, Rolf (Illu.) - Otto-Maier-Verlag 1986. Buchvorstellungen: (0)
Die Wolke / Pausewang, Gudrun (Text) - Otto-Maier-Verlag 1987. Buchvorstellungen: (1)
Ein Eigenheim für Räuber Grapsch / Pausewang, Gudrun (Text); Rettich, Rolf (Illu.) - Otto-Maier-Verlag 1987. Buchvorstellungen: (0)
Das Tor zum Garten der Zambranos / Pausewang, Gudrun (Text) - Otto-Maier-Verlag 1988. Buchvorstellungen: (1)
Fern von der Rosinkawiese / Pausewang, Gudrun (Text) - Otto-Maier-Verlag 1989. Buchvorstellungen: (0)
Geliebte Rosinkawiese / Pausewang, Gudrun (Text) - Otto-Maier-Verlag 1990. Buchvorstellungen: (0)
Das große Buch vom Räuber Grapsch / Pausewang, Gudrun (Text); Rettich, Rolf (Illu.) - Otto-Maier-Verlag 1992. Buchvorstellungen: (0)
Der Schlund / Pausewang, Gudrun (Text) - Otto-Maier-Verlag 1993. Buchvorstellungen: (0)
Die Kinder in den Bäumen / Pausewang, Gudrun (Text); Steineke, Inge (Illu.) - Nagel und Kimche 1994. Buchvorstellungen: (0)
Die Seejungfrau in der Sardinenbüchse / Pausewang, Gudrun (Text); Grolik, Markus (Illu.) - Nagel und Kimche 1995. Buchvorstellungen: (0)
Die Verräterin / Pausewang, Gudrun (Text) - Ravensburger 1995. Buchvorstellungen: (0)
Einfach abhauen / Pausewang, Gudrun (Text) - Nagel und Kimche 1996. Buchvorstellungen: (0)
Der Spinatvampir / Pausewang, Gudrun (Text); Grolik, Markus (Illu.) - Sauerländer 2003. Buchvorstellungen: (0)
Die Meute / Pausewang, Gudrun (Text) - Ravensburger 2006. Buchvorstellungen: (0)
Neues vom Räuber Grapsch / Pausewang, Gudrun (Text); Wünsch, Dorota (Illu.) - Ravensburger 2008. Buchvorstellungen: (0)
Ein wunderbarer Vater / Pausewang, Gudrun (Text) - Sauerländer 2009. Buchvorstellungen: (0)

http://glotzi-verlag.de/BioPausewang.htm
http://www.bambikino.homepage.t-online.de/bambikino/PDF/Die-Wolke.pdf